16. Azar (7. Dezember), der Studententag im Iran
Der Studententag (7. Dezember) ist ein wichtiger Tag in der Studentenprotestbewegung im Iran.
Am 7. Dezember 1953, gut drei Monate nach dem Putsch der CIA und dem Sturz der Regierung von Mossadegh, eröffnete die
Polizei des Schahs das Feuer auf Studenten, die gegen die Wiederaufnahme der nach der Verstaatlichung der Erdölindustrie
abgebrochenen diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und Großbritannien demonstrierten. Drei von ihnen starben. An
diesem Tag signierten die Universitäten ein ungeschriebenes Gelöbnis: “Gegenüber Tyrannen darf man nicht schweigen“.
Seitdem ist 7. Dezember ein jährlicher Tag des Protests von Studenten im Iran gegen Unterdrückung und Despotismus und für
Freiheit und Demokratie. An diesem Tag erheben die Studenten im ganzen Land an den Hochschulen ihre Stimme, formulieren
ihre Forderungen und veranstalten breite Proteste. Sie treten gemeinsam auf mit Forderungen wie "Einigkeit, Kampf, Sieg",
"Bedingungslose Freiheit für alle politischen Gefangenen" und "Freiheit und Gleichheit".
Das diktatorische Regime fürchtet auch heute diesen "Tag der Studenten" und versuchte auch in diesem Jahr mit seinen
verschiedenen Sicherheitsorganen durch massive Repression die Studenten einzuschüchtern und ihre Versammlungen an
diesem Tag zu verhindern.
Angesichts des sich trotz Staatspropaganda im Iran zuspitzende Unmuts, entscheiden sich immer größere Teile der Bevölkerung
gegen das despotische Regime, das durch seine gescheiterte Sozial- und Wirtschaftspolitik und aggressive Außenpolitik die
soziale und wirtschaftliche Situation im Iran im Eiltempo verschlechtert und weite Teile der Menschen in Armut und Hunger treibt.
In der Islamischen Republik Iran sitzen zurzeit viele oppositionelle Studenten in Haft. Sie werden in Schnellverfahren zu harten
Gefängnisstrafen verurteilt. Ihnen wird den Verstoß gegen die nationale Sicherheit, die Zusammenarbeit mit den
Exil-Organisationen vorgeworfen, haben für mehrere Semester Studienverbot erhalten oder werden vom Weiterstudium
ausgeschlossen.
Das Kultusministerium und der oberste Rat der Kulturrevolution setzen gerade die Anweisung des Religionsführers Chamenei
um, die Bereiche Geistes- und Sozialwissenschaften unter die Kontrolle der Geistlichkeit zu stellen. Chamenei hatte letztes Jahr
in einer Predigt kritisiert, dass die Universitäten zu sehr von westlichem Gedankengut und westlicher Dekadenz beeinflusst seien
und die Verantwortlichen angewiesen, insbesondere die Geistes- und Sozialwissenschaften streng zu islamisieren.
Seit geraumer Zeit sind stets Basidschi-Milizen zur Kontrolle der Studenten an den Universitäten präsent. Auch
Revolutionswächter und Sicherheitsbeamte in Zivil haben jederzeit Zugang zu den Universitäten. Nicht selten wurden
Studentenheime in Teheran und anderen Städten überfallen.
Die Studenten als eine wirksame soziale Antriebskraft und ein Teil der Bewegung der iranischen Bevölkerung gegen die Tyrannei
wollen aber trotz dieser massiven, Unterdrückung und eines offiziellen Verbots am 7. Dezember ihren Protest zeigen.
Zum Jahrestag des 7. Dezember 1953 (Studententag) erneuern wir unseren Protest gegen diejenigen, die die Freiheiten an
unseren Universitäten auf das schändlichste untergraben und rufen alle freiheitsliebenden Menschen und
Menschenrechtsorganisationen im Iran und auf der ganzen Welt auf, die folgenden Forderungen zu unterstützen und sich mit den
Kämpfen der Studenten und der Bevölkerung für Freiheit und Demokratie im Iran zu solidarisieren:
- Sofortige und bedingungslose Freilassung aller politischen Gefangenen im Iran.
- Abzug aller Repressionsorgane des Regimes aus den Universitäten im Iran.
- Aufhebung von Bestimmungen der staatlichen Disziplinarausschüsse für den temporären und dauerhaften Ausschluss von
protestierenden Studenten aus den Bildungseinrichtungen.
- Stopp der willkürlichen Entlassung und keine Ersetzung der unabhängigen Professoren durch unqualifizierte Außenstehende.
- Stopp der Auflösung der Autonomie der Universitäten und Einhaltung der akademischen Freiheiten und der Menschenrechte in
den Universitäten.
- Beendigung der geschlechtsspezifischen Trennung von Studenten und ein Ende der staatlichen und ideologischen Eingriffe in
den Geisteswissenschaften.
Die starke Studentenbewegung im Iran steht fest auf der Seite des mutigen Kampfes iranischer Bevölkerung für Freiheit und
Demokratie. Auch Gewalt, Folter und Hinrichtung können die Resonanz ihrer Forderungen nach Freiheit und Gleichheit nicht zum
Schweigen bringen.
Lang lebe die Erinnerungen an die Opfern der iranischen Studentenbewegung für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit!
SKIF – Solidaritätskomitee für Iran, Frankfurt am Main
16. Azar 1390 (7. Dezember 2011)








